Impressionen von der Content Marketing Conference in Köln

Impressionen von der Content Marketing Conference in Köln

Das war’s, die vierte Content Marketing Conference in Köln ist zu Ende. Über zwei Tage gaben Marketing Experten Vorträge zu dem Trend, präsentierten „Fallstudien“ und Diskutierten. Den ersten Tag konnte ich (leider) nur auf Twitter verfolgen, den zweiten Tag konnte ich vor Ort miterleben. Und ich bin mitteilungsbedürftig.

Deutschland hinkt hinterher

Es war meine Erste Content Marketing Konferenz und ich bin doch erstaunt darüber, dass es anscheinend noch keinen Konsens gibt. Native Advertising und paid media solutions mischten sich in die Diskussion, obwohl dies doch erst nach der eigentlichen Content Marketing Strategie kommt. Spätestens als erwähnt wurde, dass Advertorials doch auch Content Marketing seien, musste ich den Kopf schütteln. Dabei war die diesjährige Konferenz doch die vierte Auflage!!

Schon im letzten Jahr konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und schrieb auf meinem englischsprachigen Blog einen Beitrag zum Thema Content Marketing und owned vs. paid media.

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum CM von einigen noch missverstanden wird… Content Marketing ist keine getarnte Werbung, denn nicht das Unternehmen steht im Mittelpunkt,  sondern der (potenzielle) Kunde! Das aktuelle Paradigma für Marketer lautet einfach: „wie kann ich dem Kunden helfen?“ Und nicht „wie mache ich den Kunden auf mich aufmerksam?“ Wie Joe Pulizzi und Robert Rose vom CMI (Content Marketing Institute) schon sagten:

Kunden kümmern sich nicht um Ihre Produkte und Dienstleistungen. Sie interessieren sich nur für sich selber.

Content Marketing ist doch nix für KMUs!

Die Content Marketing Conference in DeutschlandAuffällig fand ich ebenfalls, dass alle Beispiele von Content Marketing von großen Unternehmen kamen. Die waren alle schön und relevant, doch dürfte der Marketing Leiter eines kleineren Unternehmens als VW, die HypoVereinsbank, die Deutsche Telekom und Siemens sich fragen, wie sie denn jetzt CM praktizieren können. Jeder hätte gerne Millionen von Euro und 50 Redakteure / Storyteller als Ressource… Soweit ich erkennen konnte, gab es nur wenige umsetzbare Tipps und Taktiken für KMUs auf der CMC 2014. Schade!

Die Sache mit den Sponsoren, die Vorträge halten

Was mir ebenfalls deutlich auffiel war, dass die Speaker im Allgemeinen doch stark dazu tendierten, nur ihr eigenes Produkt vorzustellen, statt „educational“ zu sein und Expertise in Sachen Content Strategie beweisen zu wollen. Ich vermute, dass es daran liegt, dass die Speaker Sponsoren waren und dafür Geld auf den Tisch gelegt haben. Da tendiert man doch stark dazu, die Gelegenheit zu einer Produktvorstellung zu nutzen und zu erklären, wie cool man doch ist, statt dem Publikum zu „erziehen.“ Wo bliebe dann der ROI…

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Da würde ich mir – utopisch – wünschen, dass ein anderes Business Model für eine solche Konferenz bestehen würde. Denn in dem Moment, wo die Speaker dafür zahlen, dort aufzutreten, wird es immer unwahrscheinlicher, dass sie auf Eigenwerbung verzichten.

Wie wäre es mit Social Media?

Social Media wurde auf der Konferenz eingesetzt, so konnte man mit dem Hashtag #contentmc – auch, wenn er erst am Vortag kommuniziert wurde – mitdiskutieren. Während des Events wurde an diesen auch regelmäßig u.a. vom (exzellenten) Moderator F. Puscher erinnert.

Twitter Stats Content Marketing Conference GermanyAm ersten Tag war ich doch überrascht, wie viele sich dort zu Wort meldeten. Ich machte auch mit und war begeistert, das Feedback zu den Vorträgen einzusammeln. Als ich am zweiten Tag vor Ort war, schien sich die Beteiligung in Grenzen zu halten (siehe Stats von Tweetbinder rechts). Lag es daran, dass viele tweets lediglich Zitate beinhalteten? Oder daran, dass kaum ein Tweet benutzt wurde, um eine Debatte zu füttern? Vielleicht ein bisschen von beidem. Aber darum geht es mir in dem Punkt weniger.

Es gab etliche Vorträge über Content Distribution Services und Content Promotion. Das Thema Native Advertising tauchte nicht zufällig so oft auf.

Die Frage der Verbreitung ist durchaus legitim, schließlich möchte man den aufwendig produzierten Content auch an die Konsumenten bringen. Aber als man über social media sprach, handelte es sich lediglich um das teilen auf Facebook. Punkt. Doch, das Wort Pinterest und Instagram fielen sporadisch. Doch thematisiert wurde Social Media im Rahmen der Content Marketing Strategie gar nicht. Und das finde ich erschreckend.

Warum wieder zu den alten Mechanismen zurückkehren?

Warum scheinen wir Marketer in Deutschland wieder zu den alten Mechanismen greifen zu wollen? Statt sich Zeit zu nehmen, hochwertige Inhalte zu produzieren und die eigene Reichweite zu erweitern, sind wir ungeduldig und wollen von der Reichweite anderer profitieren. Also statt langfristig auf owned und earned media zu setzen, denken wir an paid media (d.h. Werbung) und wollen mit Innovationen in dem Bereich Leute zu uns ziehen. Schade. Aber Content Marketing erfordert ein Umdenken. Und das braucht Zeit.

Ich hätte mir einen Vortrag über Social Media Nutzung im Rahmen einer CM Strategie doch sehr gewünscht. Welche Plattform für welchen Content? Welches Format? Wie passe ich Content für die verschiedenen Kanäle an? Wie baue ich Reichweite auf? Wie kann ich dank Social Media Content recyceln und ihn damit optimal einsetzen und mehrmals verwenden? Alles Fragen, die durchaus spannend gewesen wären!

Ich habe mir vor kurzem das Buch Jab, jab, jab, right hook von Gary Vaynerchuk zugelegt. Für die, die ihn nicht kennen: der Mann ist eine großartige Inspiration! In seinem Buch liefert er sehr viele Einblicke in Antworten auf diese Fragen, unterstrichen von vielen Praxisbeispielen.

Fazit

Mein persönliches Fazit lautet: schade, dass CM in Deutschland anscheinend noch Zeit braucht. Aber es das ist auch normal. Neben dem Thema Social Media habe ich ebenfalls die Vertiefung der Metriken / KPIs, zu welchen keiner so richtig etwas sagen konnte / wollte.

Ich habe jetzt größtenteils Kritik formuliert, doch es gab durchaus auch interessante Beispiele und Einblicke! z.B. der Vortrag zum Thema Content Marketing in Verbindung mit Sponsoring beim FC Bayern, die Fallstudie von Tobias Dennehy (Siemens AG), das Thema Lead Management (von Park7 – ich sage dies nicht nur, weil ich dort arbeite. Das Feedback war sehr gut) oder die Einblicke von Jens Fauldrath (zum Thema SEO und CM – obwohl ich da ein bisschen Angst hatte) und Frank Wolfram (CTO bei Geometry Global mit einem Vortrag über den VW Bulli und User Generated Content).

Ich bedanke mich auf jeden Fall bei allen für den Dialog (nicht zuletzt auf Twitter) und freue mich auf nächstes Jahr! 🙂

Mich würde auch durchaus interessieren, wie eure Impressionen waren. Wenn ihr Blogposts teilen wollt, schreibt einen Kommentar und ich füge den Link an den Post an!

Weitere Beiträge zur Content Marketing Conference 2014:

  1. The Narrative (Kircher Burkhardt): Die 7 wichtigsten Insights – Danke für die Erwähnung am Ende by the way!
  2. Das Resumée zur Konferenz von Park7 (mit download vom Vortrag)
  3. Content Marketing: Haltung Bitte! von B. Ward
  4. Deutsches Institut für Marketing: Recap vom ersten Tag
  5. SEO Trainee: Recap zur Content Marketing Konferenz 4.0
  6. Content Marketing Conference Recap: 5 Key Takeaways von T. Kemp auf Hubspot Deutschland
  7. Explido – Die Sucht nach guten Inhalten
  8. Netural – Content Marketing reift heran

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13 Comments

  • François Posted Mrz 7, 2014 7:18 am

    Hat dies auf Brandsensations Chronicles rebloggt.

  • M Posted Mrz 7, 2014 11:23 am

    Danke, sehe ich genauso! Ich werde den Besuch auf der Veranstaltung jedenfalls nicht wiederholen (allein dass es keine Tische zum Schreiben und keine Getränke an den Plätzen gab, finde ich für eine Veranstaltung in dem Preisbereich peinlich, von der fehlenden Substanzhaltigkeit der Vorträge mal abgesehen. Der ein oder andere Impulsgeber war dabei aber das wars auch schon.)

    • Maël Roth Posted Mrz 7, 2014 11:48 am

      Das stimmt, den Preis habe ich noch nicht mal erwähnt. 🙂

  • François Posted Mrz 7, 2014 12:55 pm

    Ich hatte überlegt an der CMC 2014 teilzunehmen, und nachdem ich Deinen sehr guten Artikel gelesen habe, bin ich froh, diese Veranstaltung nicht eingeplant zu haben. Ich teile uneingeschränkt Deine Meinung und Umdenken ist das richtige Wort, um den notwendigen Prozess zu beschreiben. Jetzt liegt es aber an uns, Inbound Marketer, die Methodologie und die Hintergründe des Inbound Marketings, sowie die Notwendigkeit für Unternehmen eine eigene „Persönlichkeit“ zu entwickeln, weiterhin zu erklären, und die Erfolge bzw. das ROI zu publizieren. Das Referenzwerk „Content Rules“ von Ann Handley und C. C. Chapmann möchte ich gerne an dieser Stelle als Buchempfehlung geben.

    • Maël Roth Posted Mrz 7, 2014 1:54 pm

      Teilweise war es schon interessant, aber insgesamt behaupte ich mal, dass es den Eintrittspreis nicht zirklich Wert ist. Danke für dein Feedback 🙂

  • F Posted Mrz 7, 2014 2:16 pm

    Sehr guter Beitrag, den ich so auch nur unterschreiben kann (abgesehen davon, dass ich Jens Fauldrath als SEO-Referent wegen des Tempos, in dem er dieses sehr wichtige Thema durchgepeitscht hat, ganz furchtbar fand).

    Ich bin selber Einsteiger beim großen Thema „Content Marketing“ (bzw. bislang kannte ich es noch nicht unter diesem Namen) und ich bin wahrlich nicht mit der Erwartung zur CMC gegangen, dass man mir dort mundgerechte Lösungen der Marke „So musst du dein Content-Marketing-Konzept aufziehen“ serviert. Aber die Hoffnung, gute Anregungen mitzunehmen, die habe ich mir doch erlaubt – und diese Anregungen waren doch leider etwas überschaubar, trotz vereinzelter wirklich interessanter und anschaulicher Vorträge.

    Wie du schon schreibst: Wer wie Siemens und VW mit Riesenbudget und entsprechenden personellen Ressourcen arbeiten kann, kann für uns kleinere Unternehmen und Organisationen nur bedingt Anhaltspunkt oder sogar Vorbild sein. Obendrein war mir die Ausrichtung ebenfalls viel zu marketinglastig, weniger auf den Content und seine Verbreitungskanäle fokussiert. Das war gerade für die Arbeit in einer Non-Profit-Organisation wie der meine alles andere als hilfreich.

    Fazit: Sollte die CMC ihr Konzept nicht von Grund auf überarbeiten, die Agenda nicht auch für Non-Profit-geeignete und einfach stärker „educational“ geprägte Themen öffnen und stattdessen die Konferenz weiter von so viel Eigenlob und „Jetzt kauft doch bitte, bitte unser Produkt“-Ranschmeißerei geprägt bleiben, war das auch das erste und zugleich letzte Mal, das ich sie besucht habe.

    • Maël Roth Posted Mrz 7, 2014 2:21 pm

      Danke für dein Feedback 🙂

      Ich verstehe den Satz „Obendrein war mir die Ausrichtung ebenfalls viel zu marketinglastig, weniger auf den Content und seine Verbreitungskanäle fokussiert“ nicht wirklich, denn für mich gehört das auch zu Marketing! Ich fand die CMC insgesamt zu „Advertising-lastig“ ;=)

  • F Posted Mrz 7, 2014 2:25 pm

    @Maël: So meinte ich das ja auch. Marketing eben nicht im Sinne von „(mehr oder weniger offene) Produktwerbung, bis der Arzt kommt“, sondern eher im Sinne von „Hey, wir haben hier Content für dich, der dich interessieren könnte. Wir hoffen, du kommst wieder und liest noch mehr von uns, interagierst auch mit uns und empfiehlst uns weiter.“ Ihr Marketer würdet sagen: Markenbindung. Und ich als Non-Profitler übernehme einfach mal ausnahmsweise diesen Sprech. 😉

    • Maël Roth Posted Mrz 7, 2014 2:33 pm

      Ach so, dann habe ich deinen Kommentar falsch gelesen an der Stelle 🙂
      Ich sage dazu „lovable marketing“ ^^

  • F Posted Mrz 7, 2014 2:34 pm

    @Maël: Exakt. Frei nach Frank Wolfram: Einfach mit viel Liebe arbeiten.

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