Asoziales bloggen: sollte man einen Blog ohne Social Media Kanäle pflegen?

Asoziales bloggen: sollte man einen Blog ohne Social Media Kanäle pflegen?

Ein Blog ohne Social Media Kanäle, geht das überhaupt? Viele Unternehmen denken zu kurz, wenn es darum geht, über Longtail Keywords über Suchmaschinen gefunden zu werden. Zusätzlich zu einem Blog Social Media Kanäle bedienen? Das ist doch reine Zeitverschwendung… Oder?

Was früher nur für „Hobbyjournalisten“ und Tagebuchführer war, ist langsam auch bei Unternehmen beliebt. Der Blog ist heute viel mehr als  der Teil der Seite, auf dem die Pressemeldungen veröffentlicht werden. Durch das Veröffentlichen von Persona-relevanten-Inhalten werden Unternehmen im Netz gefunden und Leads generiert. Dass dies funktioniert, haben die Meisten mittlerweile auch erkannt. Jetzt wollen zahlreiche Firmen auch einen Blog, um mehr Sichtbarkeit im Netz zu erlangen.

Doch einige dieser Unternehmen, die das Medium nutzen wollen verweigern sich immer noch so wirklich zum Business 2.0 zu werden. Ganz nach dem Motto:

„Bloggen ok, aber für Social Media haben wir keine Zeit.“

Aber ist das nicht ein grundlegender Denkfehler? Das zeugt doch von der eigentlichen Inflexibilität von Organisationen.

Ein Blog ohne Interaktion ist zum scheitern verurteilt

Meiner Meinung nach ist Bloggen von Natur aus eine soziale Aktivität, denn geiler Content ist von natur aus „sozial“. Wenn ein Unternehmen sagt „wir wollen auch einen Blog ins Leben rufen, es ist aber ein pures SEO-Projekt, wir wollen nicht aktiver auf Social Media werden“ kriege ich Pickel.

Was das Unternehmen für mich signalisiert ist eher:

im-not-antisocial

„Ich bin nicht asozial, ich mag nur keine Leute“

Leider sind wohl die Mehrzahl der Unternehmen noch der Meinung, dass Interaktion mit Nutzern reine Zeitverschwendung ist. Ich muss feststellen, dass diese Unternehmen wohl immer noch nicht verstanden haben, dass:

  • das Internet 2.0 kein vorübergehender Trend ist,
  •  einseitige Kommunikation in den allermeisten Fällen nur auf Desinteresse stößt
  • und Interaktion mit potenziellen Kunden und Bestandskunden ein Wettbewerbsvorteil sein kann.

Zu letzterem möchte ich dies anhand der Grafik illustrieren, die ich schon in meinem Beitrag auf Linkedin verwendete. In diesem erkläre ich, warum SEO-basiertes Content Marketing weniger als optimal ist. Darin konzentriere ich mich zwar auf die „how-to-Artikel“ ich glaube aber, dass das generell für sehr stark Keyword-basierte Content Strategien, die (zu) viel Wert auf Search legen,  gültig ist.

Eine strategische Sicht von „Social Media Business Intelligence“ (Dachis Group (jetzt Sprinklr), creative commons [Flickr])

In der Tat können Unternehmen auf sozialen Netzwerken jede Menge qualitative und quantitative Daten sammeln, die es ihnen erlauben, bessere Entscheidungen zu treffen, schneller zu reagieren, somit relevanter zu sein und Vertrauen zu erzeugen.

Doch möchte ich noch eines zu diesem Thema ansprechen – den menschlichen Faktor.

Der menschliche Faktor – auch auf Corporate Blogs

Zu allerletzt möchte ich noch den menschlichen Faktor ansprechen. Vor allem im B2B sollten Unternehmensblogs Autoren zumindest namentlich nennen. Ich stoße immer noch auf Blogs – ab und zu auch „News“ oder „Aktuelles“ benannt – auf denen entweder gar nicht oder nur sehr schwer zu erkennen ist, wer denn der Autor ist. Ist ein Inhalt interessant und anziehend, möchte ich als nächstes herausfinden wer denn der Autor ist. Da reicht mir der Name vom Unternehmen nicht.

Heutzutage können Unternehmen sich nicht darauf verlassen, dass der Interessant schon an die Standard kontakt@… Emailadresse schreiben wird. Vor allem im B2B möchten Menschen mit Menschen kommunizieren, nicht mit Marken / Unternehmen.

Vor ca. 3 Jahren arbeitete ich ein Jahr lang als Customer Service Representative (Kundendienst) bei einer irischen Firma – ein Job für 10 Monate, die ich im Ausland verbringen wollte. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich jedes Mal nach meinem (Vor)namen gefragt wurde, weil Kunden immer einen festen Ansprechpartner haben wollten.

Ich glaube, dass das in der Online-Kommunikation letztendlich dasselbe ist. Wenn Kunden mit einem Unternehmen kommunizieren wollen, wollen Sie Gesichter und Namen sehen. Das schafft „Rapport“ und führt zu mehr Vertrauen. Dies gilt natürlich – ich sage es nochmal – mehr für B2B.

Die Rolle der Interaktion im Content Marketing

Ich halte Interaktion nicht nur für wichtig im Content Marketing, sondern sogar für einen Kernpunkt. Denn wer mit seinen Nutzern interagiert, der schafft eine Beziehung. Diese Beziehung schafft Relevanz und Aufmerksamkeit.

Wenn Sie auf Facebook 2000 Freunde haben, sortieren Sie mehr oder weniger bewusst, welche Freunde Ihnen am nähesten stehen und schenken den Status-updates Ihrer engen Freunde viel mehr Aufmerksamkeit als die ihrer „Bekannten“. Ich glaube, dass es bei Unternehmen genauso ist. Deshalb ist Interaktion und der Investment in den Aufbau einer Beziehung mit Kunden und potenziellen Kunden ein wesentlicher Bestandteil des Content Marketings.

Nach diesem langen Artikel können Sie sich meine Antwort auf die im Titel gestellte Frage eigentlich schon selbst zusammenreimen. Ein Blog-Projekt ohne das einplanen von Interaktion ist bestenfalls suboptimal. Im schlimmsten Falle sogar Zeit- und Geldverschwendung. Wer als Unternehmen Content Marketing betreiben will sollte nicht nur für SEO-Zwecke einen Blog in Betracht ziehen, sondern auch um eine Beziehung mit potenziellen Kunden zu schaffen. Das kommt bei vielen leider zu kurz.

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Beitragsbild von Ron Mader auf Flickr (Creative Commons)

2 Comments

  • Sebastian Werner Posted Jul 23, 2014 12:35 pm

    Was ist in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt mehr Wert, als eine gute und nachhaltige Beziehung zwischen einem Kunden und einem Unternehmen. Dafür ist Social Media unumgänglich, denn diese Beziehung und das dafür notwendige Vertrauen entsteht im Zwischenmenschlichen.
    Sehr guter Artikel, provokante Überschriften gefallen mir ja immer 🙂

    • Mael Roth Posted Jul 23, 2014 1:07 pm

      Danke sehr 🙂 Ich will ja niemanden langweilen hier daher ist etwas Provokation gut ^^

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