Fachkräftemangel im online Marketing? Es mangelt vor allem an Leuten, die Marketing in einer digitalen Welt betreiben

Fachkräftemangel im online Marketing? Es mangelt vor allem an Leuten, die Marketing in einer digitalen Welt betreiben

Es ist in vielen Branchen schwierig qualifiziertes Personal zu finden. Der Fachkräftemangel im online Marketing ist ein Thema, das hier und da Gemüter erhitzt. Doch woran es hier wirklich fehlt – meiner Meinung nach – sind Leute, die den Überblick behalten.

Die Digitalbranche wächst und wächst. Auf Jobportalen werden im Bereich Marketing so viele Online-Affine Fachkräfte gesucht, wie nie zuvor. Überall wird der Fachkräftemangel thematisiert und Unternehmen suchen zunehmend nach externer Unterstützung.

Doch was Unternehmen wirklich brauchen, sind Leute die die Zusammenhänge verstehen.

Es fehlt vielen Unternehmen an digitaler Kompetenz – und das in unterschiedlichen Bereichen. Viele Unternehmen merken erst jetzt – 2015 – dass das Internet und neue Technologie das Kundenverhalten wohl tatsächlich verändern. Egal ob B2C oder B2B,: Kunden informieren sich viel eigenständiger als noch vor ein paar Jahren und sie blenden Werbung zunehmend aus. Das tun sie auch bewusst. Man schaue sich die letzten Nutzungszahlen des kontroversen Adblockers an…

Der Fachkräftemangel im Online Marketing: Mythos oder Realität?

Auf Haufe schrieb Mike Schnoor im November 2014, dass es eigentlich keinen Mangel an Fachkräften in der digitalen Wirtschaft gibt. An seiner Argumentation ist durchaus etwas dran: Unternehmen sind nicht flexibel genug, bieten keine gerechte Kompensation für diese wichtigen „digitalen“ Stellen und zu wenig Spielraum.

Harald R. Fortmann, Partner und Director Executive Search bei der Cribb  Personalberatung sowie BVDW-Vizepräsident, antwortete prompt mit einem Konter:

Erst gegen Ende (!) der 2000er kamen erste Weiterbildungsangebote auf den Markt und langsam begannen auch einige Hochschulen Bildungsangebote anzubieten. Selbst heute gibt es nur eine überschaubare Anzahl von Bachelor- oder Masterstudiengängen, die sich mit der digitalen Branche, den Themen und Trends sowie ihren Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft beschäftigen.

Wo liegt also die Wahrheit? Bekanntlich liegt sie oft in der Mitte.

Wir brauchen „Full-Stack Marketer“

Was mir in meiner noch jungen Laufbahn bis jetzt aufgefallen ist, ist dass es nicht an Arbeitnehmern mit digitaler Kompetenz mangelt, sondern an Fachkräften, die die Zusammenhänge verstehen und „digital“ nicht als separaten Bereich betrachten, sondern als Teil des Ganzen.

Brian Solis hat es wunderbar formuliert:

Don’t do digital Marketing. Do Marketing in a digital world.“ – Brian Solis

Das liest sich nicht nur gut, das ist auch zutreffend. Woran es zu mangeln scheint sind Leute, die eine solide Marketing-Ausbildung besitzen und doch digital leben. Es genügt heutzutage nicht mehr den digitalen Bereich entweder in einer Abteilung unterzubringen, die davon so wenig Ahnung wie Bock hat, noch das Ganze komplett auszulagern. Digital und Analog sind keine separaten Bereiche.

Ich weiß noch, als ich vor circa 2 Jahren zu einem Vorstellungsgespräch bei einer großen, renommierten (klassischen) Werbeagentur die im digitalen Bereich stärker tätig werden wollte, als ich gefragt wurde:

Leiter Digital: „Worauf willst du dich denn spezialisieren? Auf welchem Gebiet bist du schon Experte?“
Ich: „Ich bin noch nicht stark auf etwas im digitalen Bereich spezialisiert. Ich habe eine Ausbildung im klassischen Marketing und interessiere mich für SEO, Social Media und Content Marketing im Allgemeinen.“
Leiter Digital: „So wirst du keine Stelle finden. Du musst dir einen Bereich aussuchen und Experte auf einen spezifischen Gebiet werden. Entweder SEO oder Social Media, oder Analytics“ und und und

Das war’s erstmal. Ich habe mich bedankt und wusste nach dieser Anmerkung schon, dass ich kein Interesse hatte, selbst wenn sie mir eine Stelle angeboten hätten.

Es gibt wenige Profis die die Begeisterung für „digital“ mitbringen und sie nahtlos in die Struktur der Marketing & Kommunikationsabteilungen einbringen wollen. Und wenn es sie gibt, werden sie oftmals entweder in digitalen Agenturen tätig (also außerhalb eben jener Unternehmen, die sie brauchen) oder als „normale“ Mitarbeiter in einer Struktur untergebracht, die es ihnen nicht ermöglicht einen wahren Einfluss zu haben.

SEO ist eben nicht nur „auf Platz / Seite 1 von Google“ zu sein. Es geht darum Inhalte auffindbar zu machen und Suchenden eine befriedigende Antwort zu liefern. Social Media ist nicht nur eine Fan-Sammlung um sexier zu wirken. Der Blog ist kein Medium zum Copy / Pasten der Mitarbeiterzeitung.

Es geht darum ein integriertes Modell zu entwickeln, die es Unternehmen erlaubt, Marketing in einer digitalen Welt zu betreiben, nicht „digitales Marketing“. Unternehmen brauchen natürlich Leute, die auf ein Gebiet spezialisiert sind. Doch ich glaube, dass es vor allem an Fachkräften mangelt, die die Zusammenhänge verstehen und ein integriertes Modell entwickeln können, um die Digitalisierung in die Wertschöpfungskette zu integrieren.

Seht Ihr das auch so? Vielleicht habt Ihr selber Schwierigkeiten, geeignete Talente zu finden? Oder Ihr habt Erfahrungen mit Unternehmen gemacht, die es eben nicht verstehen, dass „digital“ kein separater Bereich ist? Ich freue mich auf Eure Kommentare 🙂

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Der Fachkräftemangel im online Marketing
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Der Fachkräftemangel im online Marketing
Project Manager Inbound Marketing
Es ist in vielen Branchen schwierig qualifiziertes Personal zu finden. Der Fachkräftemangel im online Marketing ist ein Thema, das hier und da Gemüter erhitzt. Doch woran es hier wirklich fehlt ist - meiner Meinung nach - sind Leute, die den Überblick behalten.
Mael Roth

4 Comments

  • Steff Posted Jul 29, 2015 5:58 pm

    Hallo Mael,

    danke für Deine gute Zusammenfassung und Einschätzung. Ja, da ist etwas dran. Die wirklich guten Leute (zum Glück habe ich sie) sind schon alle längst in der digitalen Welt angekommen. Interessanterweise kommen sie alle aus dem „klassischen Marketing“ und wehren sich nun mit Händen und Füßen, wenn man sie auf die guten alten Events und Post-Mailings anspricht 🙂 . Ich glaube es wird noch ein harter Weg bis wir wirklich Marketing in einer digitalen Welt betreiben. (Bis dahin trennen wir schön zwischen Online und Offline. Vielleicht machen ja sogar zwei getrennte Abteilungen Sinn?)

    Gruß
    Steff

    • Maël Roth Posted Jul 29, 2015 6:12 pm

      Hallo Steff,

      Danke für dein Feedback 🙂 Toll, dass du die die richtigen Leute gefunden hast *daumenhoch*
      Ich glaube nicht, dass 2 Abteilungen Sinn machen, es ist irgendwann zu schwierig beide zusammenzuführen…

      LG!

  • Ben Posted Jul 30, 2015 9:31 pm

    Ach Mael, du spricht mir aus der Seele. Viele meiner Erfahrungen decken sich mit deinen.

    1. Off und online trennen ist unvorteilhaft. Content Marketing ist nichts was nur digital stattfindet. Es ist eine Ausrichtung des gesamten Unternehmens. Jede Aktion erfordert, dass alle Beteiligten schon in der Planungsphase an Board sind.

    2. Vor 3 Jahren war ich als Social/Content/PPC/SEO/Marktforscher für Recruiter nicht greifbar, heute ist genau dieser Typus sehr gefragt. In Berlin gibt in meinem Kreis mehrere Firmen, die Content Marketer (soll Social und auch Analytics beherrschen) suchen und keinen qualifizierten finden.
    Kein Wunder, wenn allen eingetrichtert wird, dass sie sich spezialisieren sollen…

    3. Ich habe das Gefühl, dass in Deutschland immer noch schlecht ausgebildet wird. So richtig die Übersicht bekommen die Absolventen erst, wenn sie in die Arbeitswelt eintauchen…warum eigentlich? „Twitter? Wozu braucht man das…?“
    „Content Marketing…naja…klappt ja nicht in jedem Bereich…“

    Ich denke, dass uns wirklich die Fachkräfte fehlen – und damit meine ich ebenfalls die von dir erwähnten Leute, die die Zusammenhänge verstehen.

    Grüße, Ben

    • Maël Roth Posted Jul 31, 2015 7:02 am

      Hi Ben,

      Ein wesentlicher Faktor, den ich vergessen habe ist, dass sich die Arbeitswelt im wesentlichen verändert hat. Was für Konsumenten gilt, gilt auch für Arbeitnehmer: wenn ich nach einem „How-to“ suche, brauche ich oft nur danach zu Googeln, um mir das Wissen anzueignen. Also wenn ich gefragt werde, wie man, sagen wir mal Tracking Parameter in Google Analytics einrichte um die Quellen in Kampagnen einzuordnen, brauche ich 10 Minuten auf Google um dies zu erlernen.

      Nach und nach lernt man vieles in unterschiedlichen Bereichen und dann ist die Herausforderung nicht mehr diese harten Skills zu haben, sondern die Zusammenhänge zu verstehen: Welche Auswirkungen hat Taktik X auf die Strategie? Wie passen Kanäle zusammen? Wie orchestriere ich die Customer Journey? An welchem Punkt hakt es noch bei der Customer Experience?

      Das sind alles Sachen, die nur wenige haben, eben weil sie sich spezialisiert haben wie du schon sagst. Eine Ansammlung von Spezialisten resultiert oft in Silodenken und das ist bekanntlich ein Problem, das wir in Unternehmen haben…

      Danke für deinen Kommentar, freut mich, dass er dir gefallen hat :=)

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