Der Unterschied zwischen Content Marketing und Inbound Marketing ist vielen noch nicht klar. Ist der denn überhaupt wichtig? Mit diesem Beitrag möchte ich Licht ins Dunkle bringen und erklären, warum es eigentlich gar nicht wichtig ist…

Aktualiserung 28. November 2015: Nachdem ich nach Antritt meiner neuen Missionen die HubSpot Zertifizierung absolvierte, sehe ich zwischen den beiden Begriffen einen wesentlichen Unterschied. Dies habe ich in die aktualisierte Version des Beitrags einfließen lassen.

Vor einigen Tagen habe ich mal aus purer Langeweile Abends die Suchvolumina der Begriffe Content und Inbound Marketing bei Google Trends verglichen und sich untereinander in eine Grafik gepackt (ich entschuldige für den potenziellen Augenkrebs bei Grafikern):

Content_vs_Inbound_International_Comparison

 

Dies postete ich auf Linkedin und Facebook und erhielt viele Kommentare dazu. Diese Postings führten erneut zu Diskussionen zwischen dem ein oder anderen, warum dies denn logisch sei. Im Wesentlichen hieß es:

  • Logisch, denn Inbound Marketing ist noch viel mehr als Content Marketing und Unternehmen sind noch nicht so weit.
  • Na klar, weil Content Marketing der bessere Ansatz ist und Inbound Marketing nicht „genug“ ist.

Die Diskussion ist an sich nicht neu. Das Content Marketing Insitute und die Erfinder des „Inbound-Ansatzes“ Hubspot haben schon vor Jahren ihre Meinung dazu geäußert. Natürlich hieß es von beiden Seiten aus: „was wir machen ist besser, weil es noch mehr abdeckt.“ Wer hat recht? Und vor allem: ist das überhaupt wichtig?

Content Marketing vs. Inbound Marketing in der Theorie

Stellen wir die zwei Definitionen mal gegenüber.

Content Marketing ist eine strategische Herangehensweise im Marketing, die darauf basiert, nützlichen und relevante Inhalte regelmäßig zu erstellen und zu verbreiten, um ein bestimmtes Publikum anzuziehen und es zu fesseln. Ziel ist es hierbei letztlich, dieses Publikum positiv im Sinne des Unternehmens zu beeinflussen.“ – Content Marketing Institute (Quelle)

„Statt die alten, unterbrechenden Methoden zu nutzen (Werbung schalten, Email-Listen kaufen und für Leads beten), fokussiert sich Inbound Marketing auf die Erstellung von hochwertigen Inhalten, die Leute auf Ihr Unternehmen und dessen Produkte aufmerksam machen. Indem die veröffentlichten Inhalte im Einklang mit den Interessen Ihrer potenziellen Kunden sind, ziehen Sie hochwertigen Traffic an, den Sie konvertieren können.“ – Hubspot Inc. (Quelle)

Ich habe für Kundenkonzepte und im Rahmen von strategischen Projekten die Methodologien angewandt und dabei einen wesentlichen Unterscheid festgestellt. Die Philosophie des Inbound Marketings basiert sehr stark auf „getting found“, also „gefunden werden.“ HubSpot selbst betont sehr stark, dass man Inhalte, die Probleme von Nutzern lösen, erstellt werden sollte, die dann von potenziellen Kunden gefunden werden. Anders gesagt: der Ansatz basiert extrem stark auf SEO und den Prozessen, die bis zur Übergabe eines Kontakts an den Vertrieb greifen.

Inbound Marketing unterliegt einer sehr genauen Systematik, die HubSpot auch super in der Software abbildet. Aber 95% des Inbound Marketings passiert wenn der Nutzer die Website des Unternehmens schon besucht hat.

Die Inbound Methodologie von HubSpot (Quelle: HubSpot.com)

Im Content Marketing sind die Taktiken, mit denen die Inhalte verbreitet werden nicht an der Regel „nicht unterbrechen“ gebunden. Die Regel ist mittlerweile sogar, dass Content den Einsatz von Paid Media braucht, um überhaupt eine Chance zu haben. Content ist alles, was in den Augen der Zielgruppe(n) einen Mehrwert darstellt. Egal über welchen Kanal es kommt.

Womit ich oftmals Probleme habe, ist dass Content Marketing von vielen so erklärt wird, als wäre es eine esoterische Strategie – dabei unterliegt Content Marketing auch Regeln, die es ermöglichen den Erfolg sehr genau zu messen.

Diese Unterscheidung ist sehr theoretisch und basiert auf den Methodologien die ich gelernt habe.

Content Marketing vs. Inbound Marketing in der Praxis

Was unterscheidet dann Content- von Inbound Marketing in der Praxis? Hier kann ich meine eigene Erfahrung einbringen, aber ich freue mich sehr, wenn ihr mir auch eure mitteilen würdet! Im allgemeinen würde ich es wie folgt zusammenfassen.

Beide Herangehensweise stehen und fallen dank den erstellten Inhalten, bzw. deren Qualität und Relevanz für potenzielle Kunden. Der gemeinsame Nenner ist also das Wort, welches wir langsam nicht mehr hören und sehen können: Content.

[Tweet „Inbound vs. Content Marketing: Content ist der gemeinsame Nenner.“]

  • Inbound Marketing: Meine bisherige Erfahrung ist, dass sich online Marketer mehr als „Inbound Marketer“ verstehen. Profis aus den Disziplinen SEO / SEA (PPC), Conversion Optimierung, usw. schließen sich dem Inbound-Gedanken an, was meines Erachtens maßgeblich dazu beiträgt, dass Messbarkeit Performance orientiert –  ein Kernelement ist.
  • Unter „Content Marketern“ finden sich sehr viel mehr unterschiedliche Kompetenzen und Lebensläufe wieder: Journalisten, PR / Online PR, Redakteure / Texter, usw. aber viele Suchmaschinenoptimierer. Letztere zeichnen sich meiner Erfahrung nach über die Datengetriebene Herangehensweise aus. Am relevantesten ist für sie, wie sie noch mehr Sichtbarkeit bei Suchmaschinen erlangen können (über Keyword-Recherchen).

Ist diese Unterscheidung überhaupt wichtig?

Kommen wir zu der letzten Fragen dieses Blogbeitrags und eigentlich der wichtigeren: ist eine solche Unterscheidung überhaupt wichtig?

Selbstverständlich haben Stakeholder wie das CMI und Hubspot ein Interesse daran, diese Begriffe zu etablieren und so viel wie möglich zu verbreiten. Das gilt auch für Dienstleister, die auf einen dieser Züge springen (oder beide), und sich somit positionieren um Kunden zu akquirieren. Doch diese Grabenkämpfe sind eben nur für diejenigen relevant, die es verkaufen wollen.

Letztendlich muss es nur um eines gehen: ein Perspektivenwechsel muss her. Ob man ihn dann Inbound Marketing oder Content Marketing nennt, ist nicht relevant, solange man damit Erfolg hat.

Inbound oder Content Marketing? Egal, wir brauchen einen Perspektivenwechsel Klick um zu Tweeten

Mein Vorschlag ist: keines ist besser als das anderem denn beide zielen auf das Gleiche ab. Content Marketing (strategisch) legt die Grundlagen und gewährleistet Beständigkeit. Inbound Marketing konzentriert sich auf die Prozesse, die ab der Identifizierung eines Interessenten greifen.

Beide ergänzen sich, müssen vom Ansatz her aber grundsätzlich als Paradigmenwechsel im Marketing verstanden, gelebt und umgesetzt werden.

Kommen wir da auf einen gemeinsamen Nenner? Oder habt ihr einen anderen Vorschlag?

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