Lauwarmer Content ist auch scheisse

Lauwarmer Content ist auch scheisse

Content Positionierung: heiß oder kalt? Lauwarm ist keine Alternative. Was ich auf einer Messe in Paris erlebt habe, brachte mich grundsätzlich zum nachdenken.

Ich war die Woche auf der Messe E-Marketing 2016 in Paris, bei der ich ScribbleLive Plan (mit der Marke soll scompler in Frankreich bekannt werden) repräsentiert habe.

Ich habe viele interessante Gespräche geführt. Eines von jenen gab mir zu denken.

Ein Mann hielt vor dem Stand kurz inne und schaute sich kurz einen Prospekt an. Ich fragte, ob ich ihm helfen kann.

Er: „Erklären Sie mir kurz und knapp was Sie machen“

Ich: „Wir haben eine Reihe von Lösungen die entlang des Content Marketing Prozesses helfen, Content strategisch zu produzieren, flexibel zu erstellen und zu analysieren. Aber darf ich fragen, was sie machen, damit ich besser darauf eingehen kann?“

Er (mit einem sehr selbstverliebten Ton): „Ich repräsentieren über 300 Unternehmen aus dem Event- und Ticketing-Bereich. Erklären Sie mir, warum ich mich dafür interessieren sollte. Was hätten meine Kunden davon?“

Ich (gekürzt): „Wenn Ihre Kunden mit verschiedenen Arten von Inhalten die Aufmerksamkeit von potenziellen Kunden und Bestandskunden gewinnen wollen, dann hilft unsere Plattform dabei, dies strategisch zu planen und durchzuführen. Das bedeutet, dass es eine Plattform ist, mit der eine Strategie dokumentiert  und in die Praxis umgesetzt werden kann. Ich zeige Ihnen diese Plattform sehr gerne, wenn es sie interessiert.“

Er, nach einem ungeduldigen Seufzer und Kopfschütteln: „Nein erklären Sie mir jetzt in zwei Sätzen, was meine Kunden davon haben“.

Da riss der Geduldsfaden.

Ich: „Hören Sie, ich kann strategisches Content Marketing nicht mit 2 Sätzen erklären. Wenn es Sie interessiert, zeige ich es Ihnen nur zu gerne. Ich möchte Ihnen nichts verkaufen, ich möchte, dass Sie den Wert dahinter erkennen. Aber ich werde sie nicht pitchen. Wenn ich Ihr Interesse nicht geweckt habe…“

Er: „Ok, dann Tschüss.“

Ich, aufrichtig gut gelaunt hinterher gerufen: „Einen schönen Tag noch!“

Da war er schon weg. Gut so.

Content: lauwarm ist auch scheisse

Ich habe später mit meinen Kollegen darüber gesprochen und wir waren uns alle einig: wer sich interessiert und uns Aufmerksamkeit schenkt, darf nicht enttäuscht werden. Ziel ist es, Interesse zu würdigen, indem man interessant bleibt und Mehrwert bietet. Wenn jemand aber schon mit so einer Haltung kommt, wird den Wert auch nicht erkennen.

Ich dachte lange darüber nach, weil ich hier eine Parallele zum Content Marketing sehe.

Content muss auch positioniert werden und eine klar definierte Zielgruppe (und Personas) ansprechen. Unternehmen die alle ansprechen wollen, sprechen keinen an. Und es gibt massenhaft lauwarmen Content da draußen.

Zeit für klarere Positionierungen, eindeutigere, manchmal vielleicht kontroverse Botschaften und „reasons why„. Denn der heutige Konsument will noch nicht mal gepitcht werden. Wir können es uns nicht mehr leisten, uninteressant zu sein.

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4 Comments

  • Anja Fordon Posted Apr 15, 2016 10:07 am

    Hej Maël,

    ich stimme Dir zu 10000% zu. Wie schwierig und in gewisser Weise auch seltsam es ist, dass (OldSchool Business) Menschen Content Marketing vielmehr als eine Reaktion, eine neue Disziplin verstehen, in der digitalen Ära zu verkaufen. Dabei ist doch Content Marketing (meiner Meinung nach) nicht aus Unternehmen heraus oder aus einer Verkaufsperspektive entstanden ist, also nicht als eine neue Werbe-Technik, sondern als Folge der tatsächlichen Verschiebung Machtverhältnisse vom Markt zum Menschen. Was etwas mit dem Aufstieg der Informations-und Wissensgesellschaft zu tun hat. Warum denken so viele Menschen in Kategorien von Kunden, Unternehmen und Marken wenn gleichzeitig alle (oder viele) von der neuen Offenheit und Grenzenauflösung reden. Wierd.

    • Maël Roth Posted Apr 15, 2016 11:58 am

      Hi Anja,

      Das freut mich 🙂 Ich stimme dir zu. Mein letzter Satz ist so eine Art Leitmotiv von mir: ich glaube wirklich, dass Unternehmen es sich nicht mehr leisten können, uninteressant zu sein. Wie man interessant wird und damit schlussendlich mehr verkauft, das ist dann spannend 🙂

      • Anja Fordon Posted Apr 15, 2016 12:15 pm

        Interessant wird man, wenn man interessiert ist. In der Theorie ganz einfach: Zuhören. Weg von der Begrifflichkeit des Konsumenten hin zum Menschen. Die Beziehung Marke – Mensch wie eine Mensch-Mensch Beziehung definieren. Fokusverschiebung auf langfristigen (wertvollen, sinnvollen) Erfolg statt auf kurzfristige stupide Umsatzsteigerung. Die Frage bleibt aber natürlich: Wie implementiert man diese „Romantik“ in Unternehmens-Denke?. 🙂

        Mein Kopf und Herz brennen für eine Lösung. Das gute ist: solange es Menschen gibt, die darüber nachdenken, ist eine Lösung nicht unwahrscheinlich, aight?!

  • Michael Boenigk Posted Apr 20, 2016 11:30 am

    „Wir können es uns nicht mehr leisten, uninteressant zu sein.“

    Der Satz trifft es allzu deutlich. Merke ich auch immer wieder. Gerade auch im Blogging-Bereich ist großes BlaBla nicht mehr gefragt. Interessanter, tiefgehender und möglichst umfassender Content ist geboten. Und nicht mehr nur Worte sondern vor allem Bilder und Videos dafür nutzen.

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